Tagebuch einer IPS-Praktikantin
Über mich und das Programm
Ich heiße Sarina Adambussinowa und ich bin IPS-Stipendiatin aus Kasachstan. Zurzeit studiere ich an der Deutsch-Kasachischen Universität, Masterstudiengang „Zentralasien“ in Almaty, Südkasachstan. Seit März bin ich in Berlin und mache ein Praktikum beim Deutschen Bundestag, im Büro von Harald Koch, MdB, Fraktion DIE LINKE.
Die kasachstanische IPS Stipendiaten mit dem Botschafter der Republik Kasachstan, Dr. Nurlan Onzhanov
Das Praktikum dauert bis Juli 2010. Das Programm bietet mir die unschätzbare Möglichkeit, meine theoretischen Fachkenntnisse zu vertiefen, die Arbeitsprozesse und die Tätigkeit der Abgeordneten des Parlaments von „innen“ zu sehen, die politischen Systeme und Richtlinien der Innenpolitik von Kasachstan und Deutschland zu vergleichen und daraus Schlussfolgerungen für mein eigenes Wirken zu ziehen.
Foto: Deutscher Bundestag
Mein erster Tag im Büro war inhaltsvoll und spannend, weil es die Sitzungswoche war. Es gab viele verschiedene Sitzungen und Besprechungen in der Arbeitsgruppe, dem Arbeitskreis und in dem Ausschuss. Die erste Sitzung für mich war im Finanzausschuss und ehrlich gesagt, ich hatte unerwartete Eindrücke, weil ich eigentlich eine sehr strenge Atmosphäre erwartet habe, statt dessen erlebte ich sehr freundliche, offene Leute (und nicht unbedingt im Anzug, wie bei uns üblich) und interessante Debatten über aktuellen Probleme und Fragen des Lebens von dem Land. Diesen menschenfreundliche Eindruck gibt es auch in unserem Büro, die von einer sehr netten und offenen Atmosphäre vom Abgeordneten Harald Koch bis zu seinen Mitarbeitern – Anja und Ralph geprägt ist. Es gefällt mir sehr, dass wir uns immer über verschiedene Themen ohne Distanz unterhalten können, sogar duzten, das war für mich die große und angenehme Überraschung. Man kann sagen, dass schon in solchen Kleinigkeiten die demokratischen Prinzipien sichtbar werden.
Begrüßungsabend
Vorstellung Kasachstan
Am 18. März hat der Begrüßungsabend an der Humboldt Universität stattgefunden und alle IPS – Stipendiaten mussten ihre Lände für 3-4 Minuten vorstellen. In diesem Jahr nahmen 120 junge Leute aus 27 Ländern am Programm teil. Das war eine bunte Mischung der verschiedenen Geschichten der Länder, Kulturen, Sprachen und Mentalitäten, die in deutscher Sprache vermittelt wurde. Dieses IPS-Programm in Deutschland stellt für alle TeilnehmerInnen die gemeinsame Bühne der Kontakte und Kommunikation dar.
Rosa-Luxemburg-Stiftung
Vom 29. bis 31. März hatte unsere Gruppe # 2 das Seminar bei der RLS in Berlin. Die Hauptthemen der Diskussionen und Seminare waren „Die Linke in Deutschland und in der Welt“, Zeitgeschichte in der Gegenwart, Politik und Kultur der Erinnerung, Gesundheit und Wissenschaft. Im Laufe des Seminars hatten wir Treffen mit interessanten und intelligenten Leuten und jeder ist kompetent in seinem Bereich. Wir hatten einige historische Orten besucht und viele neue Tatsachen über die reiche Geschichte von Berlin und Deutschland erfahren. Ich finde die Idee der Errinerungspolitik ganz aktuell und sehr nützlich für die jungen Generationen. Heute ist es auch das verbreitende Thema in der zentralasiatischen Region.Meine Wahlkreisreise nach Sangerhausen
Vom 31.05 bis 04.06.2010 fuhr ich nach Sangerhausen, wo sich das Wahlkreisbüro von Harald Koch befindet. Im Rahmen des IPS-Programms ist diese Veranstaltung verpflichtend und das Ziel ist das Kennenlernen der Arbeit des WKB und wie eine sitzungsfreie Woche des Abgeordneten überhaupt abläuft. Ich finde auch, dass es wichtig ist, über diesen Teil der Abgeordnetenarbeit mehr zu erfahren. Deshalb besuchte ich den Wahlkreis, um die Arbeit des WKB vor Ort zu erleben und natürlich daran teilzunehmen.
Ich hatte ein volles und ganz interessantes Programm, das von Frank Radschunat, Wahlkreismitarbeiter von Harald Koch, vorbereitet wurde. Ich bin Frank sehr dankbar, weil er meinen Aufenthalt im Sangerhausen interessant und spannend gemacht hat. Alles, was mich gerne interessieren würde, wurde in seinen Programm verwirklicht. Im Verlaufe der Woche fuhren wir mit dem Auto durch den Wahlkreis, damit ich eine Vorstellung über die Größe des Wahlkreises bekommen konnte. Eine Station des Programms war der Besuch der Hauptsehenswürdigkeit der Stadt Sangerhausen, das Europa – Rosarium. Das lohnt sich zu sehen. Leider sind die Blumen noch nicht aufgeblüht, aber es gibt einen Anlass, noch einmal im Juli zu kommen, das Rosenfest zu besuchen.
Mein Praktikum im Sangerhausen hat mit dem Besuch der Stadt Querfurt angefangen, wo wir ein volles Programm mit vielen Veranstaltungen hatten, wie der Besuch der „IEB Schulungsgesellschaft mbH“, das Treffen mit Jugendlichen und ein Gespräch mit dem Bürgermeister Herr Peter Kunert im Rathaus der Stadt Querfurt. Weitere Höhepunkte waren der Besuch des Stadtbads und die letzte Veranstaltung war die öffentliche Mitgliederversammlung. Aus dem Erleben der unterschiedlichsten Ereignisse habe ich erfahren, dass der Abgeordnete neben den vielen Sitzungen und Besprechungen in Berlin, auch im Wahlkreis vielfältigste Veranstaltungen und Treffen mit Bürgern hat. Und das schnelle Tempo der Arbeitsprozesse im Bundestag wird auch im Wahlkreis fortgesetzt.
Jede Woche am Dienstag und Freitag ist das Wahlkreisbüro für die Bürgerinnen und Bürger geöffnet. Über die Zeitung bzw. die Internetseite des MdB wir monatlich eine Bürgersprechstunde mit dem Abgeordneten angezeigt (an einem dieser beiden Tage), die ich als eine gute Möglichkeit betrachte, um den Abgeordneten persönlich Fragen zu stellen und über Probleme, die die Bürger bewegt, auszutauschen. Bei uns passiert das sehr selten und man muss eine lange Zeit warten, um eine solche Möglichkeit zu bekommen.
Eine weitere Veranstaltung, von der ich begeistert war, war der von Herrn Axel Sell organisierte Besuch im Haus der Vereine. Für diese Einladung bin ich ihm sehr dankbar. Im Haus der Vereine befindet sich die Lebenshilfe für Behinderte Sangerhausen sowie der Sport- und Freizeitverein, die viele Angebote für diese Menschen bereit hält. Ich habe dort fast den ganzen Tag verbracht und mir hat sehr gefallen, wie die Mitarbeiter eine gemütliche und frohe Atmosphäre für behinderte Kinder und Erwachsene schaffen, damit sie sich wie Zuhause wohl fühlen können und sie werden gleichzeitig in die Gesellschaft integriert. Das finde ich toll! Ich habe alle Mitarbeiter kennengelernt, eine von ihnen ist Frau Nelli Kupsch aus Kasachstan! Das hat mich sehr angenehm überrascht. Wir hatten ein nettes Gespräch in dem sie mir über ihre Arbeit berichtete und insgesamt die Tätigkeit des Vereins erklärte. Sie arbeitet dort als Betreuerin und verbringt die ganze Zeit mit Behinderten und man spürt ihre Begeisterung.

Abschlussbericht
Mein Praktikum beim Deutschen Bundestag geht dem Ende entgegen und ich fliege bald zurück in mein Heimatland. Was ich im Laufe des Praktikums erlebt habe, bewahre ich in meinen Erinnerungen für mein ganzen Leben, weil diese 5 Monate mir nicht nur Fachwissen, sondern Lebenserfahrung gegeben haben.
Ich erinnere mich an die ersten Tagen im Büro, alles war für mich neu und es gab natürlich viele unverständliche Situationen, die es zu überwinden galt, wobei mir meine lieben Mitarbeiter geholfen haben. Das waren Kleinigkeiten, die man immer hat, wenn man etwas Neues entdeckt oder man sich in einer neuen Umgebung befindet.
Multikulturelle Stipendiaten, ein ereignisreiches und spannendes parlamentarisches Leben und diese schöne vielgesichtige Stadt haben einen großen und unbeschreiblichen Eindruck in mir hinterlassen.
Diese fünf Monate sind so schnell vergangen und so viele Ereignisse, wie z. B Eurovision, Fußball-WM 2010, die Wahl des neuen Bundespräsidenten und die Arbeit in der Fraktion, die wir alle mit Deutschen ganz herzlich erlebt haben, weil wir das Gefühl hatten, dass wir ein Teil von Deutschland sind und das hat uns richtig Spaß gemacht. Während meines Aufenthalts in Berlin wurden viele Nuancen des politischen Systems Deutschlands für mich klarer. Mit diesem inhaltsreichen Programm und der Arbeit und vielen unterschiedlichen Aufgaben im Abgeordnetenbüro, hatten alle internationale Stipendiaten beste Voraussetzungen und die Chance, selber aktiv am politischen Leben in Deutschland teilzunehmen und wir haben das genutzt.
Die letzte Stationen des Praktikums – Erfahrungsbericht und Facharbeit werden schon geschrieben und sogar eine Abschlussparty mit dem Abgeordneten und Mitarbeitern ist schon vorbei. Das war echt toll!!!!!!
Unsere Party hat mit der Tour durch einen schönen Stadtteil – Kreuzberg, wo sich unser WG befindet, angefangen. Die Tour, die von Ralph erarbeitet wurde, streifte die beste Plätze Kreuzbergs: ungewöhnliche Parks, gemütliche Cafés und eine schöne Uferpromenade – alles Orte, an denen ich noch nicht war. Und in dieser informativen Atmosphäre haben wir unser letztes gemeinsames Treffen verbracht. Ich bin so froh, dass ich ein Mitglied dieses Team bin!

Und ich wünsche Herrn Koch, Anja, Ralph und Frank alles Gute und viel Erfolg! Herzlichen Dank! Rahmet! Spasibo!