11.-16.09.2011
Auf Delegationsreise in Japan
Vom 11 bis 16. September 2011 führte Harald Koch, stellvertretender Vorsitzender der Deutsch-Japanischen Parlamentariergruppe gemeinsam mit anderen Abgeordneten eine Delegationsreise nach Japan durch.
Die Delegation führte in Tokyo Gespräche mit Abgeordneten und Vertretern der neu gebildeten Regierung , deren Fokus in den Bereichen Energiepolitik, Finanz- und Wirtschaftspolitik und auswärtige Politik lagen. Neben Tokyo standen auch die von der Katastrophe zerstörten Gebiete in der Provinz Sendai auf dem Besuchsprogramm, wo vor Ort mit betroffenen Menschen, politischen Verantwortungsträgern und Mitgliedern der Japanisch-Deutschen Gesellschaft gesprochen werdn konnte . Unter anderem besuchte die Delegation das Kinderheim „Fuji no sono“, das erhebliche Erdbebenschäden aufweist und mit deutschen Spendengeldern wieder aufgebaut wird.
11.09.2011
Gegen 15.30 Uhr hebt das Flugzeug in Frankfurt Main in Richtung Osaka ab. Die nächsten 12 Stunden - und damit den Großteil meines Geburtstages - werde ich also im Flugzeug verbringen.
12.09.2011
Nach knapp 12 (recht angenehmen) Stunden bin ich nun in Osaka angekommen und gleich nach Kyoto weiter gefahren. Japan ist wirklich eine komplett andere Welt. Heute steht neben Kulturprogramm vor allem ein Treffen mit dem deutschen Gesandten in Japan auf dem Programm.
13.09.2011
Heute ging es wiederum per Flugzeug von Osaka in de von der dreifachen Katastrophe im Frühjahr stark zertörte Provinz Sendai. Dort konnte ich mich über die Lage informieren, mit Betroffenen sowie Kommunalpolitikern sprechen und ein Heim für Waisenkinder besuchen. Mich interessierte vor allem, welche Probleme die Menschen vor Ort gerade bewältigen müssen und welche Hilfe sie dabei bekommen und welche Unterstützung noch geleistet werden muss. Das Schicksal der Menschen und ihr Umgang damit ist sehr bewegend.
Das Gesehene und Gehörte haben dabei meine bisherigen Vorstellungen über das Ausmaß der Zerstörungen und das Leid der Menschen total gesprengt.
Beindruckt haben mich vor allem die Disziplin und die Zuversicht der hier lebenden Menschen. In erster Linie muss den Menschen - insbesondere den in der Fischerei tätigen - wieder eine Perspektive in ihrem Beruf gegeben werden.
Im Bus begleitete uns eine Abordnung der Fischereikooperation von Ishinomaki. Sie kämpfen schlicht und ergreifend um ihre menschliche Existenz, denn die Fischereikonzerne nutzen die Katastrophe, um die kleinen Fischereibetriebe vom Markt zu vertreiben. Wir haben ihnen zugesagt, dieses Problem bei den weiteren Terminen hier in Japan den verantwortlichen Politikern und Behörden vorzutragen. Daraufhin bedankten sie sich herzzerreißend.
Gar nicht gut angekommen ist hier übrigens die Tatsache, dass viele Deutsche Japan unmittelbar nach der Katastrophe fluchtartig verlassen haben, selbst die Deutsche Botschaft hat sich diesbezüglich nicht gerade mit Ruhm bekleckert...
Es grüßt euch alle ein sehr nachdenklicher Harald aus Japan.
14.09.2011
Am Mittwoch machte unsere Delegation einen Höflichkeitsbesuch bei Vize-Gouverneur Wako in Sendai. Trotz aller diplomatischen Gepflogenheiten sprachen wir das Problem der Fischer von Ishinomaki an. Erstaunlicherweise reagierte der Vize-Gouverneur auf dieses Thema sehr ernsthaft. Unsere Botschaft wird vor Ort auch an dem Thema dran bleiben. Auf meine Anregung hin wird es an auch Bundespräsident Wulff herangetragen werden, welcher im Oktober ebenfalls mit einer Delegation zu einem Staatsbesuch in Japan weilen wird.
Danach fuhren wir mit der Shinkansen-Bahn zuerst nach Ichinoseki und anschließend nach Tokio. In Ichinoseki besuchten wir ein Kinderheim, welches bei dem schweren Erdbeben im März stark beschädigt wurde, wodurch die Kinder unweigerlich in eigentlich unzumutbaren Zuständen leben müssen. Experten befürchten, dass das Heim beim nächsten schweren Erdbeben einstürzt. Deshalb wird jetzt mit privaten Spenden ein neues Heim gebaut, wobei hier noch enorme japanspezifische Bürokratiehürden zu bewältigen sein werden.
In Tokio führten wir im Parlamentsgebäude ein Gespräch mit dem Vorsitzenden des Politischen Ausschusses der DPJ, Außenminister a.D. Seiji Marhara, Unterhausabgeordneter.
Die Fahrt mit der Shinkansen-Bahn hat uns die Landschaft und die Menschen des südlichen Japans näher gebracht und das bei mehr als 35 Grad und sehr hoher Luftfeuchtigkeit. Zusammen mit dem Jetlag und einem sehr engen Programm ist das eine recht anstrengende Sache!
15.09.2011
Den letzten Tag unserer Delegationsreise anlässlich 150 Jahren diplomatischer Beziehungen zwischen Deutschland und Japan prägten zahlreiche und sehr intensive Gespräche mit Vertretern der im japanischen Oberhaus bzw. Unterhaus vertretenen Partein sowie deutschen Instituten, unter anderem dem Vorsitzenden der Japansich-Deutschen Freundschaftsgruppe (DPJ) sowie dem Vorsitzenden der SDP - Mizuho Fukushima.
Die japanischen Parlamentarierkolleginnen - und kollegen zeigten insbesondere großes Interesse an der Politik Deutschlands in den Fragen der Bewältigung der Finanzkrise und des Atomausstieges. In den jeweiligen Diskussionen prallten natürlich auch die unterschiedlichen Einschätzungen und Lösungsansätze der Mitglieder unserer Delegation aufeinander.
Am Abend gab es in der deutschen Residenz noch ein Abendessen auf Einladung vom deutschen Botschafter - Dr. Stanzel - mit Mitgliedern der Japansich-Deutschen Freundschaftsgruppe und weiteren Abgeordneten des japanischen Parlamentes. Hier konnten sich alle Anwesenden der beiden Parlamente vor allem zu mandatsspezifischen Fragen intensiv austauschen.
Zuvor - am späten Nachmittag, 17.04 Uhr Ortszeit - erlebte ich mein erstes Erdbeben. Ich saß gerade in meinem Hotelzimmer im 10. Stock, als das gesamte Gebäude so heftig zu schwanken begann, dass die Gardinen wehten, die Wände ächzten und mir schwindelig wurde. Nach einer Minute war der ganze Spuk wieder vorbei. Dafür, dass die Japaner erdbebensicher bauen, zolle ich ihnen nach dieser Erfahrung meinen vollen Respekt.
Morgen früg gegen 09.30 Uhr Ortszeit starten wir mit dem Flugzeug wieder in Richtung Deutschland.




